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Boule (frz. für Kugel) oder Boccia wird in Deutschland umgangssprachlich für den Kugelsport gebraucht. Beide Begriffe werden auch für die Freizeitvariante von Boccia oder Pétanque benutzt. Zu den offiziellen Kugelsportarten gehören auch Bowls, Boule Lyonnaise und Jeu Provençal. Daneben gibt es weitere regionale Sportarten bzw. Kugelspiele, die ähnliche Regeln haben. Auf dieser Seite werden auch die unterschiedlichen Arten von Wettkampfkugeln dargestellt, auch wenn diese in anderen als den Kugel-Sportarten verwendet werden.

Als Sportart ist Pétanque mit rund 600.000 Lizenz-Spielern in 76 (nationalen) Pétanque-Verbänden am weitesten verbreitet.

Geschichte

Bereits 460 v. Christus ist eine Empfehlung griechischer Ärzte (u. a. von Hippokrates) für das Spiel mit Steinkugeln nachweisbar. Im 2. Jahrhundert nach Christus beschrieb Iulius Pollux ein Spiel, bei dem Kugeln auf einen Ziegelstein geworfen wurden; der Verlierer des Spiels musste den Sieger auf den Schultern ins Ziel tragen.

Danach ist das Spiel vor allem durch Verbote nachweisbar:

  • 1319 untersagte Philipp V. das Boulespiel
  •  im 14. Jahrhundert der Erzbischof von Tournay (im frz. Département Hautes-Pyrénées)
  • 1629 gab es ein Verbot durch das französische Parlament, um das Federballspiel zu fördern
  • 1697 verbot die Pariser Synode Geistlichen „…in der Öffentlichkeit oder im Beisein von Weltlichen das Boulespiel“
  • dagegen hat der Erlass der Lyoner Polizei, nicht auf den Verbindungsstraßen zwischen den Orten und nicht auf den Hauptstraßen der Stadt zu spielen, einen rein regelnden Charakter
  •  1900 gehörte Boule zu den Sportarten, die in der französischen Hauptstadt Paris anlässlich der Weltausstellung (Exposition Universelle et Internationale de Paris) veranstalteten Internationalen Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport (Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports) ausgetragen wurden. Mehrere dieser Wettbewerbe waren Bestandteil der Olympischen Sommerspiele 1900. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Boule jedoch die offizielle Anerkennung als Olympische Sportart versagt.
  •  1907 wurde in der französischen Hafenstadt La Ciotat das erste Pétanque-Spiel ausgetragen (siehe: →Pétanque: Geschichte).

Erfindung des Pétanque

Das erste Pétanque-Spiel findet im Jahre 1907 im südfranzösischen Ort La Ciotat statt.
Ein guter und leidenschaftlicher Spieler namens „Jules Le Noir“ wird vom Rheuma geplagt und kann deshalb nicht mehr die drei Schritte Anlauf beim Jeu Provençal machen.
Sein Freund Ernest Pitiot, erfindet daraufhin ein Spiel auf kürzere Entfernung und ohne Anlauf. Er zieht einen Kreis auf den Boden. Aus diesem wird im Stand mit geschlossenen Füßen gespielt. Daher leitet sich der Name der Sportart ab. Die Bezeichnung für geschlossene Füße heißt auf französisch pieds tanqués, auf provenzalisch hieß es ped tanco.
Nach und nach werden die Regeln dieser neuen Spielart entwickelt, aufgeschrieben und ein neues Spiel entsteht. 1910 wird ein (erster) offizieller Wettbewerb durchgeführt.
Im Gegensatz zu allen anderen Boulespielarten tritt Pétanque einen raschen weltweiten Siegeszug an. Dafür ausschlaggebend sind die relativ einfachen Regeln, die unter anderem besagen, dass Pétanque auf jedem Boden gespielt wird.

Weitere Verbreitung des Pétanque

1945 wird die Fédération Francaise de la Pétanque et du Jeu Provençal (F.F.P.J.P.) gegründet.
Die anderen Boule-Sportarten scheinen aber noch populärer zu sein. So lässt der Belgier Simenon 1949 seinen französischen Kommissar Maigret in seinem Buch „Mein Freund Maigret” folgenden Beobachtung machen:
„Zwei alte Männer spielten Pétanque, eine Art Boulespiel, bei dem die mit Nägeln beschlagenen Kugeln immer nur ein paar Meter weit geworfen werden. Es war ein kurioser Anblick, wenn die Alten sich ganz vorsichtig nach den Kugeln bückten.“
1949 wird aber auch schon in Belgien Pétanque gespielt und mit dem „1ier club, A.B.F.“ der erste belgische (wallonische) Pétanque-Club gegründet.
Weitere nationale Gründungen folgen in der Schweiz (1953), in Marokko (1954), in Kanada (1955) und in Luxemburg (1959).
Am 8. März 1958 gründen Belgien, Frankreich, Marokko, Monaco, die Schweiz, Spanien und Tunesien die Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provençal (FIPJP).
Bereits im Jahre 1959 findet die erste Pétanque-Weltmeisterschaft in Spa, Belgien statt.
Kanada (1959) Luxemburg (1959) und Algerien (1962) kommen in den nächsten Jahren dazu. Italien, dessen Pétanque-Spieler im italienischen Boccia-Verband organisiert sind, ist ebenfalls schon früh im Weltverband dabei.
Pétanque verbreitet sich ansonsten zunächst über französische Soldaten und Auswanderer. Dass Kanada mit der französischen Provinz Québec zu den ersten Mitgliedern der FIPJP zählt, überrascht nicht.
Dass aber auch in den USA seit 1959 in San Franzisko Pétanque gespielt wird ist nicht so eindeutig. Jean Bontemps gründet „La Boule d’Or“, in San Franziskos Golden Gate Park wird 1960 das erste große Turnier mit Teilnehmern aus Frankreich, Québec und Tunesien ausgetragen.
Pétanque spielt eine große Rolle bei der Integration von Zuwanderern, nicht nur in den USA. Der Maler Alfred Levitt gründete 1973 den amerikanischen Verband FPUSA, den er 10 Jahre als Präsident leitete.
In den 1970er Jahren treten das Großbritannien (1974) und die Niederlande (1978) der FIPJP bei.
Die Zeitpunkte der Gründung der Nationalen Verbände und deren Beitritt zur FIPJP weichen von der Erteilung von Lizenzen für Spieler der entsprechenden Nationen ab. So werden in einer Statistik von 1978 über FIPJP-Lizenzen 18 Nationen genannt, die zum Teil (wie Deutschland) noch keine nationalen Verbände haben. (Die Entwicklung Deutschlands wird weiter unten dargestellt.)
1980 tritt neben den Schweden das erste asiatische Land bei: Thailand. Hier sind es nicht französische Soldaten sondern es ist die Königin-Mutter, die den Pétanque-Sport fördert. Sie hatte ihn in Frankreich und Genf kennengelernt. Nun lernen zunächst die thailändischen Soldaten (pflichtgemäß), später vor allem Bürger der Oberschicht des französische Spiel mit den Kugeln.
1986 tritt Australien als erstes Land Ozeaniens bei, Pétanque ist nun auf allen Kontinenten vertreten.
In den 1990er treten 16 Nationen, von 2000 bis Ende 2007 treten sogar 27 Nationen bei. Zum Beispiel wurde zur WM 2007 Kroatien aufgenommen. Die Nation startete mit einer Mannschaft, deren Mitglieder alle eine Lizenz bei einem Deutsche Verein haben.
2008 löst sich der Verband von Großbritannien auf, dafür bilden sich neue Verbände in England, Schottland und Wales, die (anstelle Großbritanniens) dem Weltverband beitreten.

Entwicklung in Deutschland

Als Kugelsportart wird in Deutschland zunächst das italienische Boccia gespielt. Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer spielte dies im Italienurlaub. Das wird in den Deutschen Wochenschauen immer wieder gezeigt. In der Folge kommen wassergefüllte Plastikkugeln auf den Markt.
Dann bahnt sich zunächst über französische Soldaten Pétanque seinen Weg nach Deutschland. In (Bonn-)Bad Godesberg wird 1963 der erste Pétanque-Club gegründet, 1966 zieht Saarlouis, nahe der französischen Grenze, nach. Neben Bonn und dem Saarland, wo weitere Vereine entstehen, etabliert sich Freiburg im Breisgau als weitere Keimzelle des Pétanque.
In Bad Godesberg wird 1977 die erste Deutsche Pétanque-Meisterschaft (im Triplette) ausgetragen. Erste Deutsche Meister wurden: Remo Rinaldi, Martin Ulrich, Albert Weingartz.
1977 fahren dann auch die ersten Deutschen zu den Weltmeisterschaften nach Luxemburg. Ebbi Toepfer, Karsten Köhler und Olaf Fingerhut kommen aus Bad Godesberg und Freiburg.
Fortan werden die teilnehmenden Deutschen Teams Vertreter des Deutschen Pétanque Verbandes genannt. Der ist allerdings noch gar nicht gegründet.
In mehreren Bundesländern entstehen Landesverbände.
Erst 1984 treffen sich in Groß-Gerau Vertreter der inzwischen gegründeten Landesverbände aus dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie Vereinsvertreter aus Aschaffenburg, Bonn, Darmstadt, Dillingen, Düren, Durmersheim. Frankfurt/Main, Freiburg, Bad Godesberg, Heidelberg, Kiel, Konstanz, Nalbach, Nürnberg, Raunheim, Rastatt, Reutlingen, Rottweil, Saarbrücken Saarwellingen, Saarlouis, Singen, Würzburg und gründen den Deutschen Pétanque Verband.
In Niedersachsen gibt es zunächst einen eigenen Kugelsportverband, der im Deutschen Sportbund (DSB) ist, der DPV ist in der F.I.P.J.P. Nach einigen Verhandlungen schliessen sich die beiden Verbände zusammen.
Zurzeit existieren in Deutschland mehrere hundert Clubs mit mehr als 14.000 Mitgliedern.